Wenn plötzlich nachts die Luft wegbleibt: Kindernotfall Pseudokrupp im Rettungsdienst

Treffen Notfallsanitäter nachts bei einem Einsatz ein Kleinkind an, das stark bellend hustet und einen pfeifenden, inspiratorischen Stridor zeigt, handelt es sich häufig um einen Pseudokrupp. Das Beruhigen von Eltern und Kind hat oberste Priorität und entspannt die Situation in der Regel. Wir zeigen Ihnen auf wie Sie als Notfallsanitäter im Rettungsdienst vorgehen können.

Was ist das Krupp-Syndrom?

Der Pseudokrupp ist die häufigste Form der Kehlkopfentzündung (Laryngitis) bei Kindern. Kinderärzte sprechen auch von einer Laryngitis subglottica oder dem Krupp-Syndrom. In den meisten Fällen sind Erreger wie Adenoviren, RS-Viren oder das Influenza-A-Virus für die Erkrankung verantwortlich. Daher liegt der Häufigkeitsgipfel des Pseudokrupps in den Herbst- und Wintermonaten. Selten sind Bakterien, Allergien oder Umweltgifte die Ursache. Entzündet sich der Kehlkopf, schwellen Schleimhaut und Stimmbänder an. Bei Erwachsenen und älteren Kindern äußert sich eine Laryngitis durch Heiserkeit und Husten. Bei Säuglingen und Kleinkindern bis circa drei Jahre kann die Schleimhautschwellung die Atemwege so weit einengen, dass ein typischer bellender Husten, begleitet von einem inspiratorischen Stridor entsteht. In manchen Fällen entwickelt sich ein schwerer Pseudokruppanfall mit zunehmender Atemnot bis hin zur respiratorischen Insuffizienz.

Die Stadien des Pseudokrupps

Typisch ist ein Auftreten der Erkrankung in der Nacht. Eventuell war der kleine Patient bereits erkältet. Meist trifft der Anfall die Eltern unvorbereitet und führt zu Panik. Regt sich das Kind auf, verschlechtert sich seine respiratorische Situation. Es entsteht ein Teufelskreis, den der Notfallsanitäter als erste Maßnahme zu durchbrechen hat.

Häufig befinden sich Ihre Patienten in den ersten zwei Stadien des Pseudokrupps:

Stadium 1: Bellender Husten, Heiserkeit, leichter inspiratorischer Stridor

Stadium 2: Zusätzlich stärkerer Stridor, leichte Atemnot, diskrete Einziehungen jugulär und interkostal

Stadium 3: Starker Stridor, deutliche Atemnot, Einziehungen, Unruhe, Tachykardie

Stadium 4: Starke Dyspnoe, Stridor bei langsamerer Atmung wieder leise, Zyanose, eventuell Bewusstseinsstörung, muskuläre Hypotonie

Therapie durch Notfallsanitäter und Rettungsdienst

Treffen Sie im Dienst auf diesen Kindernotfall, wirken Sie zunächst beruhigend auf Kind und Eltern ein. Bringen Sie den kleinen Patienten an die frische Luft. Öffnen Sie zum Beispiel das Badezimmerfenster und lassen Sie gleichzeitig heisses Wasser in die Badewanne laufen. Die Inhalation der feuchtkalten Luft kann abschwellend auf die Atemwege wirken. Reicht diese Maßnahme nicht aus, nutzen Sie Adrenalin zur Inhalation über einen Vernebler. Halten Sie möglichst Abstand vom Kind und lassen Sie die Eltern helfen. Je mehr sich Ihr kleiner Patient beruhigt, desto besser. Ein gängiges Notfallmedikament ist das Prednisolonzäpfchen in einer Dosis von 100 mg (Dosierungsschema beachten). Da die Wirkung deutlich verzögert eintritt, sind die inhalativen Erstmaßnahmen beim Krupp-Syndrom besonders wichtig. Je nach Zustand des erkrankten Kindes und der Erfahrung der Eltern kann eine Klinikeinweisung oder eine weitere Versorgung zu Hause erfolgen.

Fazit für den Rettungsdienst

Das Krupp-Syndrom ist ein häufiger Kindernotfall, der meist nicht lebensbedrohlich verläuft und häufig mit inhalativen Maßnahmen in den Griff zu bekommen ist. Eine rasche Beruhigung von Eltern und Kind ist der Schlüssel zur Besserung der bedrohlich erscheinenden Symptome.


Quellen:
vgl. Illing, S. u. Claßen, M. (2017): Klinikleitfaden Pädiatrie; Urban & Fischer, München. 
vgl. Michael J. / Lentze, M. J. /  Schaub, J. / Schulte, F-J. / Spranger, J. (2019): Pädiatrie: Grundlagen und Praxis; Springer Verlag, Heidelberg.