Kardiale Dekompensation: die lebensbedrohliche Herzschwäche

Es ist einer der häufigsten Gründe für eine Krankenhauseinweisung und damit die klassische Einsatzmeldung im Rettungsdienst: „kardiale Dekompensation“. Der erfahrene Notfallsanitäter kennt auch den klassischen Patienten, der ihn dabei erwartet. Schon an der Wohnungstür hört man sein brodelndes Atemgeräusch, um im Wohnzimmersessel einen schwer luftnötigen Patienten zu finden. Meist unruhig und nass geschwitzt, das Hautkolorit in variablen Blau- bis Grautönen, seiner Atemhilfsmuskulatur alles abverlangend. Die Lage ist potenziell lebensbedrohlich: Eine kardiale Dekompensation kann bis zum Lungenödem oder einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen.

Ursache: Rechts? Links? Beidseits?

Bei einer kardialen Dekompensation kommt es durch eine Funktionsstörung des Herzens zu einem Rückstau von Blut. Ist das rechte Herz betroffen, staut es in Körperstamm und Extremitäten zurück, beim linken Herzen in die Lunge. Durch den Blutstau tritt Flüssigkeit ins Gewebe aus. Und so kommt es zu „Wasser in den Beinen“ oder eben in der Lunge. Der Schweregrad der Herzinsuffizienz wird nach der New York Heart Association (NYHA) in vier Stadien eingeteilt. Ihnen als Rettungsdienst begegnet der kardial dekompensierte Patient meistens im NYHA-Stadium IV: wenn er schon in Ruhe Beschwerden hat. Und meistens ist er linksführend dekompensiert: mit Flüssigkeit in der Lunge.

Strukturierte Therapie im Rettungsdienst: Basismaßnahmen, Medikamente, Zielklinik

Eine der ersten Maßnahmen sollte die richtige Positionierung des Patienten sein: Oberkörper hoch, Beine nach unten. Durch diese „Herzbettlagerung“ nimmt der venöse Rückstrom zum Herzen ab und der hydrostatische Druck in der Lunge wird reduziert. Als nächstes kommt die Sauerstoffgabe, am besten über eine Maske. Gleichzeitig werden relevante Vitalzeichen erhoben.
Während der Anlage eines periphervenösen Zugangs kann man sich schon einmal Gedanken machen über die möglichen Ursachen der kardialen Dekompensation und deren Behandlung. Ein erhöhter Blutdruck kann mit Nitroglycerin-Spray oder Urapidil gesenkt werden. Auch ein schnell wirksames Schleifendiuretikum wie Furosemid gehört zur Standardtherapie. Bei bradykarden Rhythmusstörungen kann die Gabe von Atropin oder eine externe Schrittmachertherapie erwogen werden. Tachykarde Rhythmusstörungen lassen sich durch Antiarrhythmika oder eine Kardioversion behandeln. Unabhängig von der Ursache ist Morphin zur Analgesie und Abschirmung des Patienten ein hilfreiches Präparat. Wichtiger Hinweis: beim Einsatz von Medikamenten müssen stets die individuellen Dosierungsschemata und SOP beachtet werden.

Ist die Luftnot des Patienten durch medikamentöse Maßnahmen schlecht zu beherrschen, kann die nicht-invasive Beatmung die Rettung sein: über eine CPAP-Maske mit erhöhtem PEEP wird die Flüssigkeit wieder aus den Alveolen gedrängt.

Und dann auf zur geeigneten Klinik! Überlegen Sie sich, ob der Patient einen Schrittmacher, ein Herzkatheterlabor und/oder eine Intensivstation benötigt und wählen Sie in Absprache mit der Leitstelle das passende Krankenhaus aus. Jetzt noch eine strukturierte Übergabe und schon sind Sie wieder bereit für den nächsten Einsatz.

Quellen:
Herold, G. (2019): Innere Medizin. Herold Verlag.
Ziegenfuß, T. (2018): Notfallmedizin, 7. Auflage. Springer Verlag.